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Hunde artgerecht halten

Vizsladorzüchterin Ramona Tänzler

Mein Name ist Ramona Tänzler und ich lebe naturnah mit meinem Hunderudel zusammen. Alle Rudelmitglieder (außer Luna und Ben) sind bei uns geboren und aufgewachsen. Durch langjähriges Beobachten meiner Hunde und durch meine Ausbildungen zum Problemhundetherapeuten und Ernährungsberater mit Schwerpunkt Hund habe ich einen Weg gefunden, wie meine Hunde so nah wie möglich nach den Gesetzen der Natur aufwachsen und leben. Die Bedürfnisse der Hunde und eine artgerechte Kommunikation stehen für mich an erster Stelle.

Hunde beobachten und von ihnen lernen

Durch das Leben mit meinen Hunden erfahre ich, wie hündische Kommunikation tatsächlich funktioniert und wie man sich diese Erkenntnisse als Mensch zunutze machen kann, um dem Hund ein artgerechteres Leben zu ermöglichen. Hier spielen Gewalt, Hilfsmittel, Kommandos oder Sprache keine Rolle. Wichtig sind hier zum Beispiel die innere Ausstrahlung, die eigene Körpersprache oder das Einhalten von Grenzen, um mit dem Hund artgerecht zu kommunizieren.

Artgerechte Hundehaltung – was bedeutet das wirklich?

Um einen Hund auch nur annähernd zu verstehen, kommen wir um die Psychologie des Hundes nicht herum. Begeben wir uns auf die Ebene eines Hundes und sehen die Welt aus seiner Perspektive, so verstehen wir, wer der Hund ist und was er braucht.

Hunde fühlen, denken und handeln nach den Naturgesetzen. Wenn wir diese fundamentalen Wahrheiten beherzigen, steht einem harmonischen Zusammenleben mit dem Hund nichts mehr im Wege.

Vizslador, artgerechte Hundehaltung
Wache Aufmerksamkeit: Hunde können Fragen stellen, ohne zu sprechen.

Die Gesetze des Hundes: Energie ist alles!

Was ist Energie? Hier eine Definition:

„mit Nachdruck, Entschiedenheit und Ausdauer eingesetzte Kraft, etwas durchzusetzen; starke körperliche und geistige Spannkraft, Tatkraft“ (Quelle: Duden)

Die Energie eines Hundes besteht darin, wer und was er im Augenblick ist. Er kommuniziert mit konstanter Energie. Wir Menschen erkennen uns am Aussehen oder am Namen. Hunde erkennen sich an der Energie, die sie ausstrahlen. Und so erkennen sie auch Menschen. Was für uns Menschen die Sprache ist, ist für Hunde die Energie.

Hunde haben keine Worte, um sich auszudrücken. Was genau in ihnen vorgeht, kann man an ihrer Körpersprache erkennen. Sie zeigen es über ihre Körperspannung, die Kopfhaltung, die Stellung der Ohren, Augen und des Schwanzes. Hierbei ist der Hund als Gesamtes zu betrachten! Werden diese Signale falsch gedeutet, kann es zu Missverständnissen kommen.

Hunde verstehen nicht unsere Worte, sie verstehen uns als ganzes Wesen

Ein Hund beobachtet unsere Körpersprache ganz genau und bekommt seine Informationen über Riechen, Sehen und Hören. Daher ist der Hund auch in der Lage, unsere Stimmungen, Gefühle und Energie zu erkennen. Man denke da an Blindenhunde oder Rettungshunde …

Unsere Energie, unsere Körpersprache und unser nonverbales Verhalten können Hunde besser deuten als unseren Tonfall oder unsere Sprache! Wer also eine echte und gesunde Beziehung zu seinem Hund aufbauen möchte, sollte einen Weg in die eigene instinktgesteuerte Welt zurückfinden. Vertraue wieder Deinen eigenen Instinkten!

Hunde folgen stets ihrem Instinkt. Menschen handeln emotional und intellektuell

Menschen vermenschlichen Hunde. Wir unterhalten uns mit ihnen, ziehen sie wie Menschen an, tragen sie herum und dichten ihnen menschliche Emotionen an. Wir erfüllen uns also unsere eigenen emotionalen Bedürfnisse über den Hund.

Hunde haben zwar Gefühle, doch sind sie lange nicht so komplex wie bei uns Menschen. Unsere Emotionen werden von den Hunden als Energie wahrgenommen, positiv wie negativ. Unsere negative Energie wird vom Hund als Schwäche gedeutet und darauf reagiert er entsprechend.

Ein Beispiel: Wenn wir einen ängstlichen oder nervösen Hund sehen, möchten wir ihn trösten – das ist eine normale und menschliche Emotion. In der Natur gibt es aber keinen Trost. Trösten wir also einen ängstlichen Hund, verstärkt sich sein negatives Verhalten, weil er die Zuwendung als Belohnung für sein ängstliches Verhalten sieht. So verschlimmern wir seine Angst, weil wir sein instabiles Verhalten bestärkt haben!

Hunde sind sehr instinktsichere Wesen, sie denken nicht wie wir und sie fühlen nicht wie wir!

Artgerechte Hundehaltung erfordert, dass wir uns an den Bedingungen orientieren, die Hunde in ihrem natürlichen Leben vorfinden. Das setzt Respekt vor dem angeborenen Verhalten der Tiere voraus. Trotzdem neigen wir als Menschen immer wieder dazu, unsere eigenen Gedanken und Gefühle in den Hund zu projizieren.  Wenn man bedenkt, dass Hunde treue Begleiter im täglichen Leben sind, ist das auch verständlich.

Trotzdem sollten wir bei der artgerechte Hundehaltung immer wieder überprüfen, ob wir den Fehler machen, davon auszugehen, dass der Hund fühlt, denkt und handelt wie wir. Denn die Annahme, dass der Hund dieselben Bedürfnisse hat wie wir, ist nicht nur falsch, sie bedeutet auch Stress für den Hund. Hier einige Beispiele für die Vermenschlichung eines Hundes:

  • Der Hund benimmt sich wie ein Mensch (am Tisch essen)
  • Dem Verhalten des Hundes werden menschliche Gefühle zugeschrieben
  • Der Hund wird eingekleidet und es dient weder Schutz noch Identifikation
  • Erwartung an den Hund, die menschliche Sprache zu verstehen und richtig zu deuten
  • Auf hündische Probleme wird mit menschlichen Lösungen reagiert (Trösten eines ängstlichen Hundes, Begrüßen eines überreizten Hundes)

Nur, wenn wir als Mensch den Perspektivwechsel wagen, die Welt aus der Sicht eines Hundes zu sehen, können wir Hunden gegenüber auch Sicherheit ausstrahlen, die auf tiefem Verständnis beruht. Diese Sicherheit ist es, die dem Hund eine tiefe Bindung an uns ermöglicht, die Erziehung überflüssig macht.

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Die Prägung der Welpen beginnt vom ersten Tag an – mit wortloser Kommunikation
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